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02.02.2018

Automanager glauben nicht an das Elektroauto

Studie. In einer anonymen Befragung erklären 54 Prozent aller globalen Manager der Autoindustrie, dass das Elektroauto scheitern werde.

Im Jahr 2017 wurden 5433 reine Elektroautos in Österreich zugelassen. Das sind zwar um 42 Prozent mehr als im Jahr zuvor, aber mit 1,5 Prozent immer noch ein verschwindend geringer Anteil an allen Autos (siehe auch Artikel unten). Dennoch gilt das Elektroauto als die Zukunft. Kaum ein Autohersteller, der nicht bei Messen seine neuesten E-Modelle ganz vorn präsentiert. Kaum ein Verkehrspolitiker, der das Thema nicht kontinuierlich trommelt und mithilfe von Förderungen den jeweiligen nationalen Absatz von Elektroautos ankurbeln will.

Werden die verantwortlichen Menschen bei Autoherstellern, Zulieferern und Behörden jedoch anonym befragt, zeigt sich ein deutlich weniger rosiges Bild. Das ist zumindest das Ergebnis einer entsprechenden Studie der Unternehmensberatung KPMG, bei der weltweit Branchenmanager und Behördenvertreter nach ihrer Meinung gefragt wurden. Das Ergebnis: 54 Prozent der Befragten glauben, dass das Elektroauto scheitern wird. Nur 31 Prozent verneinen diese Aussage, der Rest ist unentschlossen.

Als Grund für die Skepsis wird von den Managern jedoch nicht die fehlende Reichweite oder ein zu hoher Preis angegeben. Es sei die Infrastruktur, die zum Problem für die Elektromobilität werde, so die Kernaussage. Damit ist einerseits das Fehlen von Ladesäulen gemeint, andererseits geht es um die mangelnde Tauglichkeit der Stromnetze für die zusätzlich benötigte Leistung.

Je älter, desto skeptischer

Bedeutet das nun, dass Elektroautos zum Scheitern verurteilt und alle Bemühungen in diese Richtung nur ein Marketingschmäh sind? Nicht automatisch, wie ein Blick in die Detailergebnisse zeigt. So dürften die Manager in der Autoindustrie-wie auch in vielen anderen Branchen üblich-großen Veränderungen gegenüber konservativ sein und ihre Meinung einfach etwas langsamer ändern.

Im Jahr 2017 zweifelten nämlich sogar noch 61 Prozent an Elektroautos. Dazu passt auch ins Bild, dass die Manager skeptischer sind, je höher in der Hierarchie (und somit wohl in der Regel auch älter) sie sind. Während bei Topmanagern 67 Prozent an ein Scheitern von E-Autos glauben, sind es bei Abteilungsleitern nur mehr 49 Prozent.

Wer liegt falsch?

Große Unterschiede gibt es auch bei der regionalen Verteilung. So sind Manager in Nordamerika, wo der Benzinverbrauch eine viel geringere Rolle als anderswo spielt, mit 62 Prozent am negativsten eingestellt. In Westeuropa sinkt dieser Wert bei jenen, die an ein Scheitern des Elektroautos glauben, bereits auf 52 Prozent. Die einzige Region, in der die Mehrheit an den Erfolg von E-Autos glaubt, ist China. Dort gehen nur 34 Prozent von einem Scheitern der Elektromobilität aus, 54 Prozent glauben hingegen an die Zukunft von Elektrofahrzeugen mit Batteriespeicher.

Dieses Ergebnis lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder die chinesischen Manager laufen einer Chimäre nach, die floppen wird. Oder die westlichen Manager sind zu konservativ und laufen Gefahr, eine technische Reaktion zu verschlafen. Fakt ist jedenfalls, dass die chinesischen Autohersteller in großem Stil auf das Thema E-Mobilität setzen. Dazu passt auch die Frage nach dem wichtigsten Player der Branche im Jahr 2025. An der Spitze liegt wie im Vorjahr BMW, gefolgt von Tesla. An dritter Stelle ist inzwischen jedoch bereits der chinesische Hersteller BYD.

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