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EAA - EnergieAllianz Austria warnt vor Engpässen bei Stromleitungen in Europa

Österreichs Stromkunden könnten stärker zur Kasse gebeten werden, falls es zu Engpässen bei den grenzüberschreitenden Leitungen kommen sollte, warnt die EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Bewag/Begas). Auch der weitere Ökostromausbau könnte zu höheren Belastungen führen. Aktuell hofft man allerdings auf eine 'Verschnaufpause' beim Strompreis, erklärte Thomas Irschik, Geschäftsführer der EnergieAllianz GmbH (EAA) Mittwochabend vor Journalisten.

Bei den Gaspreisen beobachte man den Markt sehr genau, Mitte des Jahres wolle man überprüfen, ob es zu Senkungen komme. Bis zum Beginn der nächsten Heizperiode sollten eventuelle Verbilligungen jedenfalls feststehen.

Die EnergieAllianz stehe dazu, dass regenerative Energien ausgebaut werden müssten, allerdings mit Augenmaß, hieß es gestern. Für dezentrale Anlagen seien beispielsweise auch Leitungen zum Abtransport des Stroms wichtig, betonte EAA-Geschäftsführer Walter Göllesz.

Die Belastungen von der Ökostromseite her seien für die Haushalte bereits jetzt höher als für andere Kunden, so die EAA. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh liegen laut EAA die Ökostromkosten heuer bei 38 Euro pro Jahr - 23 Euro aus dem Verbrauch und 15 Euro Fixbetrag für die verbrauchsunabhängige Zählpunktpauschale. Im Vorjahr waren es insgesamt noch 21 Euro. Die Ökostrombelastung pro Kilowattstunde (kWh) beträgt für Haushalte demzufolge 1,09 Cent, bei einem Großkunden (Netzebene 3) sind es dagegen nur 0,69 Cent je kWh.

Berücksichtigt werden müsse bei der Umsetzung von Öko-Maßnahmen die soziale Symmetrie. Die Zahlungsmoral bei den privaten Stromkunden habe sich verschlechtert. Zahlten früher noch rund 80 Prozent der Kunden nach der ersten Mahnung, so seien es jetzt nur mehr 60 Prozent. Die Abschaltungen bewegten sich aber im 'Promille-Bereich', so Irschik.

Der Anteil der Ökostromzuweisungen könnte kräftig zulegen und von derzeit 13 Prozent auf 16 Prozent 2008 steigen. Das sei eine Erhöhung um rund 20 Prozent. Wie sehr sich dies auf die Stromrechnung der Kunden auswirken werde, könne man derzeit aber noch nicht sagen, dies hänge auch von der Marktpreisentwicklung beim Strom ab.

Weitere Verteuerungen könnten durch mögliche Engpässe bei den grenzüberschreitenden Übertragungsnetzen kommen, so EAA-Geschäftsführer Werner Perz. Monopolistische Netzbetreiber verdienten wieder am Stromhandel. Die 'Kupferplatte Europa', die einen grenzenlosen Stromhandel ermöglichen soll, gebe es nicht. Leitungsengpässe entstünden 'bemerkenswerterweise' an nationalen Grenzen. So habe es im Jahr 2005 beispielsweise keine Engpässe zwischen der Schweiz und Deutschland sowie zwischen Österreich und der Schweiz gegeben, 2006 es habe dann bereits welche gegeben. Keine Engpässe gebe es zwischen Österreich und Deutschland.

Es verdichteten sich die Signale, dass die Leitungsengpässe in Europa zunehmen. Wenn Österreich wieder zu einem eigenen Markt mit den eigenen Kraftwerken werde, könnte dies den Strom um 3,5 bis 4 Euro pro Megawattstunde (MWh) verteuern. Für die Kunden wären dies jährlich um 150 Mio. Euro mehr. Für die heimische Branche sei die Anbindung an internationale Netze wichtiger als neue Kraftwerke.

Die Pläne der EU, Europas Strommarkt in acht Teilmärkte aufzuteilen und dann zu einem single market zusammenzuführen, seien nicht unproblematisch, denn es könnte sein, dass diese Märkte nicht funktionierten. Österreich sei dabei den Regionen Zentral-Osteuropa sowie Zentral-Südeuropa zugeordnet und nicht bei Zentralwesteuropa (Belgien, Frankreich, Deutschland, Niederlande und Luxemburg) dabei. Im Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) sei man geschlossen der Meinung, dass Österreich Westeuropa angehören sollte. Die Regierung müsse sich dafür einsetzen, dass Österreich beim Westeuropäischen Markt zumindest Beobachterstatus erhält, so die EAA. Vor allem Engpässe nach Deutschland müssten verhindert werden. Ein überregionaler Übertragungsnetzbetreiber in Westeuropa würde so manches Problem lösen.


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