Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf den Gasmarkt

Antworten auf die häufigsten Fragen

Infolge des Krieges in der Ukraine liefert der russische Energiekonzern Gazprom seit 27. April kein Gas nach Polen und Bulgarien, seit 20. Mai kein Gas nach Finnland, seit 31. Mai kein Gas nach Dänemark und Niederlande, seit 17. Juni kein Gas nach Frankreich und seit 31. Juli kein Gas nach Lettland. Erdgaslieferungen für Österreich (v.a. über Baumgarten) sind nach Reduktionen bis dato wieder stabil. Nach der Lageeinschätzung der Regierung am 5. Juli, bleibt Österreich vorerst weiter in der Frühwarnstufe – Stufe 1 des dreistufigen Gas-Notfallplans. Nach den routinemäßigen zehntägigen Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 war der Fluss von russischem Gas am 21. Juli wieder gestartet worden. Allerdings wurden - wie bereits vor den Wartungsarbeiten - nur 40 Prozent der möglichen Lieferkapazitäten von Nord Stream 1 genutzt. Seit 27. Juli fließen noch 20 Prozent der Gesamtkapazitäten oder 33 Millionen Kubikmeter Gas täglich durch Nord Stream 1 nach Deutschland und auch Österreich erhält nur mehr 40 Prozent seiner nominierten Gasmengen.

Die ungewisse Gas-Versorgungslage und die nahezu wöchentlichen Informationen zu Änderungen von Gaskapazitäten verschiedener Gazprom-Pipelines treibt den europäischen Erdgaspreis seit Monaten auf Rekordniveau.

Die Experten der ENERGIEALLIANZ Austria beobachten aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine die Energiemärkte sehr genau. Der Konflikt trägt dazu bei, dass sich die seit mehr als einem Jahr steigenden Energiepreise auch weiterhin sehr turbulent entwickeln. Für viele Unternehmen geht dies mit einer hohen Unsicherheit und zunehmenden finanziellen Belastungen einher. Von Seiten unserer Kunden haben uns einige Fragen erreicht. Die am häufigsten gestellten Fragen beantworten wir im Folgenden:

 

Grundsätzlich ja. Der russische Energiekonzern Gazprom hat allerdings seit April den Gasfluss nach Europa auf zahlreichen Kanälen nach Europa stark gedrosselt. Trotz des Lieferstopps in vielen europäischen Ländern und der Lieferreduktion für Deutschland sind Erdgaslieferungen für Österreich (v.a. über Baumgarten) nach Reduktionen bis dato wieder stabil. Nach der Lageeinschätzung der Regierung am 5. Juli, bleibt Österreich vorerst weiter in der Frühwarnstufe – Stufe 1 des dreistufigen Gas-Notfallplans. Großverbrauchern wird jedoch angeordnet, soweit wie möglich auf alternative Energieträger - vor allem Erdöl - umzurüsten. Außerdem appelliert die Regierung an die Bevölkerung, sich auf die kommende Heizsaison vorzubereiten und beim Einsparen von Strom und Gas mitzuhelfen. Eine entsprechende Verordnung zur Energielenkung werde in Begutachtung geschickt, so die Ministerin. 

In Summe kommt aktuell deutlich weniger Gas nach Europa – etwa um zwei Drittel weniger, als sonst zu dieser Jahreszeit von Russland nach Europa geliefert wird. Zuletzt, seit Mitte Juni, hatte Gazprom ungefähr nur die Hälfte der bestellten Menge nach Österreich geliefert. Ob die Gasspeicher trotzdem weiter befüllt werden können, hängt vom jeweiligen Tagesverbrauch und dem Zukauf am Spotmarkt ab.

Zwar stehen die Lieferreduktionen Russlands über die Gaspipeline Nord Stream nach Deutschland und Lieferkürzung nach Italien im Fokus der Aufmerksamkeit. Daneben hat Russland aber auch auf zahlreichen anderen Kanälen den Gasfluss nach Europa gedrosselt. Seit Ende April wird über die Jamal-Pipeline, die über Polen nach Brandenburg führt, kein Gas mehr geliefert.

Nach den routinemäßigen zehntägigen Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 war der Fluss von russischem Gas am 21. Juli wieder gestartet worden. Allerdings wurden nur 40 Prozent der möglichen Lieferkapazitäten von Nord Stream 1 genutzt. Seit 27. Juli werden nur noch 20 Prozent der Gesamtkapazitäten oder 33 Millionen Kubikmeter Gas täglich durch Nord Stream 1 nach Deutschland geliefert und auch Österreich erhält nur mehr 40 Prozent seiner nominierten Gasmengen.

Es sei eine "ernste und sehr angespannte Lage", so Carola Millgramm, Leiterin der Gas-Abteilung beim Energieregulator E-Control.

Energie- und Wirtschaftsexperten halten es kurzfristig nicht für möglich, die russischen Lieferungen von jährlich zwischen 150 und 190 Milliarden Kubikmetern vollständig zu ersetzen. Derzeit liefert Russland rund 70 Prozent weniger Gas als vor einem Jahr. In ihrer aktuellen Prognose geht die IEA davon aus, dass die russischen Gaslieferungen heuer auf 25 Prozent des EU-Verbrauchs fallen werden. Bis 2025 geht die IEA von einem Rückgang der russischen Gaslieferungen um 55 Prozent im Vergleich zu 2021 und einem Rückgang von russischem Gas auf 20 Prozent des EU-Bedarfs aus. Bis 2027 könnte damit der Ausstieg aus russischem Gas gelingen. Wenn aber Russland die Gaslieferungen nach Europa vollständig drosselt, könnte (müsste) das auch viel schneller geschehen.

EU-Gasimporte in Milliarden Kubikmeter pro Monat

Am 26. Juli haben sich die EU-Staaten auf einen Notfallplan zum Gassparen geeinigt. Der Plan sieht vor, dass die Europäischen Staaten ihren nationalen Gaskonsum im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent senken. Bei weitreichenden Versorgungsengpässen wird ein Unionsalarm ausgelöst, um verbindliche Einsparziele vorzugeben. Mit diesen zusätzlichen Sparmaßnahmen soll die EU auch bei einem kompletten Gaslieferstopp aus Russland durch den Winter kommen.

Bereits am 27. Juni haben sich die EU-Energieminister auf eine Vorgabe zum Auffüllen der Gasspeicher in den EU-Ländern von mindestens 80 Prozent bis zum kommenden Winter geeinigt. Mit der Vorgabe soll sichergestellt werden, dass die Gasspeicherkapazitäten genutzt und solidarisch zwischen den Mitgliedstaaten aufgeteilt werden. Laut der Verordnung sollen die nationalen Gasspeicher der EU-Länder bis 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein, in den folgenden Wintern zu 90 Prozent.

Die österreichischen Gasspeicher sind derzeit per 2. August zu 53 Prozent gefüllt. Das ist ein im Vergleich zu den letzten Jahren guter Füllstand. Österreich möchte seine Speicher bereits bis zum 1. Oktober zu 80 Prozent auffüllen. Um dieses Ziel bis zum 1. Oktober zu erreichen, müssen täglich rund 360 GWh eingespeichert werden. Die aktuellen Füllstände der Speicher in Österreich und Europa finden Sie hier: Historical - AGSI+ (gie.eu)

Für Europa würde ein Totalausfall der Erdgaslieferungen aus Russland bedeuten, dass auf die Reserven in den Gasspeichern zurückgegriffen wird. Derzeit sind in Österreich 51 Terawattstunden (TWh) an Gas eingespeichert. Dies entspricht einem Füllstand von rund 53 Prozent und die Speicher füllen sich seit Anfang April wieder. Diese Menge entspricht in etwa dem halben Gas-Jahresbedarf Österreichs. Allerdings sind die in Österreich eingespeicherten Mengen nicht ausschließlich für Österreich reserviert. Daher hat die österreichische Regierung Mitte März angekündigt, eine strategische Gasreserve anzulegen, deren Eigentümer der österreichische Staat ist. Diese per Ausschreibung zu beschaffenden 20 TWh stehen für den Notfall nur für österreichische Verbraucher zur Verfügung und entsprichen dem durchschnittlichen Gasverbrauch Österreichs von zwei Wintermonaten.

Darüber hinaus müssen Gaslieferanten von geschützten Kundengruppen - das sind Haushalte und grundlegende soziale Dienste - einmal jährlich nachweisen, dass sie genügend Gas für 30 Wintertage eingespeichert haben.

Die ENERGIEALLIANZ Austria hat mit ihren Großhandelsaktivitäten die derzeit mit ihren Kunden kontrahierten Bezugsmengen vertraglich gesichert.

Im Fall einer unmittelbar drohenden Unterbrechung der Gasversorgung oder einem Versorgungsengpass in Österreich wird das Klimaschutzministerium per Verordnung "Energielenkungsmaßnahmen" anordnen. Dann wäre es dem Ministerium möglich, eine Verbrauchsreduktion bei industriellen Verbrauchern anzuordnen. Solche Maßnahmen könnte das Klimaschutzministerium nach Anhörung des dort angesiedelten Energielenkungsbeirates sowie teils unter vorheriger Einbindung des Hauptausschusses des Nationalrats per Verordnung beschließen.

Am 5. Juli kündigte die Ministerin für Klimaschutz an, dass Großverbrauchern angeordnet wird, soweit wie möglich auf alternative Energieträger - vor allem Erdöl - umzurüsten. Außerdem appelliert die Regierung an die Bevölkerung, sich auf die kommende Heizsaison vorzubereiten und beim Einsparen von Strom und Gas mitzuhelfen. Eine entsprechende Verordnung zur Energielenkung werde in Begutachtung geschickt, so die Ministerin.

In Österreich gibt es, wie in anderen Ländern, die grundsätzliche Möglichkeit, in den Markt für die Gasversorgung einzugreifen, wenn es zu Versorgungsproblemen kommt. Dafür besteht ein dreistufiger "Notfallplan Gasversorgung". Österreich hat am 30. März die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür war die Ankündigung Russlands, dass Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Damit wurde das Überwachungs- und Monitoring-System noch weiter verschärft. Das Kriterium für die Ausrufung der Alarmstufe - die nächste Stufe im Gas-Notfallplan - ist in Österreich dann gegeben, wenn das Ziel gefährdet ist, die Gasspeicher bis 1. November zu 80 Prozent zu befüllen. Energielenkungsmaßnahmen wie Rationierungen sind ab Stufe 3 vorgesehen.

Die generelle Versorgungslage hängt nach wie vor stark davon ab, ob Russland seinen vertraglich vereinbarten Lieferverpflichtungen nachkommen wird oder für weitere Länder die Gaslieferung einstellt. Sofern Gas aus russischen Quellen geliefert wird, ist die Versorgung gesichert. Sollte Russland seine Lieferungen vertragswidrig weiter drosseln, müssen diese Mengen durch zusätzliche Lieferungen etwa mit Flüssigerdgas (LNG) aus anderen Ländern kompensiert werden. Im Juni importierte die EU erstmals mehr Gas aus den USA als aus Russland. Die Exporte von Flüssiggas aus den USA nach Europa haben sich fast verdreifacht. Seit März sind die weltweiten LNG-Exporte nach Europa im Vergleich zu 2021 um 75 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wird die Beschaffungspreise voraussichtlich weiter in die Höhe treiben. Als äußerstes Mittel könnte es bei massiven Engpasssituationen zu Energielenkungsmaßnahmen wie etwa Rationierungen kommen.

EU-Gasimporte in Milliarden Kubikmeter pro Monat

Es geht der österreichischen und europäischen Politik nun darum, wie für die kommende Heizperiode im Winter 2022/23 Gaslieferungen für Österreich generell sichergestellt werden können. Die Österreichische Bundesregierung hat am 27. April bis zu 6,6 Mrd. Euro freigegeben, um die heimischen Gasspeicher vor dem Winter zu mindestens 80 Prozent füllen zu können. Darin sind 1,6 Mrd. Euro fix für Gaskäufe budgetiert und darüber hinaus können im Bedarfsfall maximal weitere 5 Milliarden Euro für diese Zwecke herangezogen werden. Derzeit sind 51 Terawattstunden (TWh) an Gas eingespeichert. Dies entspricht einem Füllstand von rund 53 Prozent.

Österreich könnte ab 2027 ohne russisches Gas auskommen. Dazu müssten aber der Gasverbrauch bis dahin um ein Viertel reduziert, alternative Importe vorübergehend verdreifacht und die Produktion von Biogas und grünem Wasserstoff massiv ausgebaut werden, zeigt eine Studie der Energieagentur im Auftrag des Umweltministeriums. Die Eigenproduktion von Erdgas müsste unverändert bleiben. Bis 2030 geht die Energieagentur sogar von einem Rückgang des Gasverbrauchs um ein Drittel aus. Energieexperten bezweifeln allerdings die Umsetzbarkeit zur Reduktion des Gasverbrauchs in diesem Ausmaß. Bis 2027 könnte demnach der Ausstieg aus russischem Gas gelingen - aber vor allem wenn Russland die Gaslieferungen vollständig drosselt, könnte das auch viel schneller geschehen.

Quelle: Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency

EnergieAllianz Austria ist kein Importeur von „physischem“ Gas. Das heißt wir kaufen Gas nicht aus Russland, sondern wir beschaffen die Mengen an europäischen Börsen. Im Detail: Erdgas kaufen wir im Marktgebiet Ost – also in Ostösterreich – am virtuellen Handelspunkt des Central European Gas Hub AG (CEGH) mit Sitz in Wien, also direkt am Großhandelsmarkt ein. Das vorgegebene Marktsystem legt virtuelle Handelspunkte fest, um eine Trennung von Produkt und Transport vom Preis sicherzustellen. Das bedeutet, dass das vom Gesetzgeber vorgegebene Marktsystem keine Vorlieferanten festlegt und am Großhandelsmarkt alle Lieferanten anonym sind. Da wir uns von diesem Gasmarktsystem nicht abkoppeln können, ist systembedingt eine individuelle Gasvorsorge für Kunden nicht möglich.

Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sind die Energiepreise generell stark gestiegen.

© EnergieAllianz Austria (EAA)

Global betrachtet, kam es bereits vor der Ukraine-Krise zudem durch die Wirtschaftserholung nach dem Corona-bedingten Lockdown zu einem Anziehen der Gasnachfrage. In Europa und Deutschland waren nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 die Füllstände der Gasspeicher gering. Verstärkt wurde dieser Effekt durch eine niedrige Einspeicherung in einigen deutschen und österreichischen Gasspeichern, die von russischen Staatskonzernen kontrolliert wurden. Dazu kam ein geringer Gasfluss von Russland nach Europa. Der Kriegsausbruch ließ die Beschaffungspreise für Gas und Kohle aufgrund von Szenarien möglicher Lieferkürzungen Russlands oder einem Embargo seitens der EU weiter stark steigen. Die Befürchtungen, dass Russland die routinemäßigen Wartungsarbeiten an der Nord Stream Pipeline ab 11. Juli zum Anlass nehmen könnte, alle Gaslieferungen durch Nord Stream 1 zu stoppen, befeuert die Gaspreise weiter. Nach den Wartungsarbeiten wurde der Fluss von russischem Gas zu 40 Prozent der möglichen Lieferkapazitäten von Nord Stream 1 zwar wieder gestartet . Seit 27. Juli fließen jedoch nur mehr noch 20 Prozent der Gesamtkapazitäten oder 33 Millionen Kubikmeter Gas täglich durch Nord Stream 1 nach Deutschland und auch Österreich erhält nur mehr 40 Prozent seiner nominierten Gasmengen.

Die ungewisse Gas-Versorgungslage und die nahezu wöchentlichen Informationen zu Änderungen von Gaskapazitäten verschiedener Gazprom-Pipelines treibt den europäischen Erdgaspreis seit Monaten auf Rekordniveau. Ende Mai kostete eine Megawattstunde Erdgas an der Handelsplattform CEGH unter 100 Euro, teils auch weniger als 80 Euro. Am Mittwoch 27.7. waren es über 205 Euro: https://www.cegh.at/

Der Krieg verteuert die Bezugskosten am Großhandelsmarkt. In welcher Höhe genau sich diese Einflüsse auf die Bezugskosten der Kunden auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem von unseren vertraglichen Regelungen und von dem Ausmaß der Verteuerung. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist die von Ihnen gewählte Beschaffungsform. Unabhängig von äußeren Einflüssen halten wir deshalb an unserer strukturierten, langfristig im Voraus agierenden und nachhaltigen Beschaffungsstrategie fest.

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