Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf den Gasmarkt

Antworten auf die häufigsten Fragen

Infolge des Krieges in der Ukraine liefert der russische Energiekonzern Gazprom seit 27. April kein Gas nach Polen und Bulgarien. Erdgaslieferungen für Österreich sind weiterhin uneingeschränkt. Die Experten der ENERGIEALLIANZ Austria beobachten aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine die Energiemärkte sehr genau. Der Konflikt trägt dazu bei, dass sich die seit mehr als einem Jahr steigenden Energiepreise auch weiterhin sehr turbulent entwickeln. Für viele Unternehmen geht dies mit einer hohen Unsicherheit und zunehmenden finanziellen Belastungen einher. Von Seiten unserer Kunden haben uns einige Fragen erreicht. Die am häufigsten gestellten Fragen beantworten wir im Folgenden:

 

Ja - trotz des Lieferstopps in einigen europäischen Ländern, gäbe es laut der Österreichischen Energieministerin am 27.4. „keine Anzeichen“ für einen Lieferstopp für Österreich.
Am 11.5. verhängte Russland Sanktionen gegen ehemalige Gazprom-Tochtergesellschaften im Ausland. In Folge hat sich das Auftragsvolumen für die Durchleitung von russischem Erdgases nach Europa halbiert und liegt bei 53,2 Millionen Kubikmeter (statt: 111 Mio.) Von der österreichischen OMV hieß es dazu, dass die bestellten Mengen weiterhin eintreffen.

Energie- und Wirtschaftsexperten halten es kurzfristig nicht für möglich, die russischen Lieferungen von jährlich zwischen 150 und 190 Milliarden Kubikmetern vollständig zu ersetzen. Derzeit liefert Russland rund 30 Prozent weniger Gas als vor einem Jahr. 

Für Europa würde ein Totalausfall der Erdgaslieferungen aus Russland bedeuten, dass vorerst auf die Reserven, die zumindest für 30 Tage berechnet sind, zurückgegriffen wird. Derzeit sind 22,5 Terawattstunden (TWh) an Gas eingespeichert. Dies entspricht einem Füllstand von rund 23,5 Prozent und die Speicher füllen sich seit Anfang April wieder. Auch mit unseren eigenen Großhandelsaktivitäten sind die mit unseren Kunden derzeit kontrahierten Bezugsmengen vertraglich gesichert.

Im Fall einer unmittelbar drohenden Unterbrechung der Gasversorgung in Österreich wird das Klimaschutzministerium per Verordnung "Energielenkungsmaßnahmen" anordnen. Dann wäre es dem Ministerium möglich, eine Verbrauchsreduktion bei industriellen Verbrauchern anzuordnen. Solche Maßnahmen könnte das Klimaschutzministerium, nach Anhörung des dort angesiedelten Energielenkungsbeirates sowie teils unter vorheriger Einbindung des Hauptausschusses des Nationalrats, per Verordnung beschließen.

In Österreich gibt es, wie in anderen Ländern, die grundsätzliche Möglichkeit, in den Markt für die Gasversorgung einzugreifen, wenn es zu Versorgungsproblemen kommt. Dafür besteht ein dreistufiger "Notfallplan Gasversorgung". Österreich hat am 30. März die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür war die Ankündigung Russlands, dass Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Damit wurde das Überwachungs- und Monitoring-System noch weiter verschärft. Energielenkungsmaßnahmen wie Rationierungen sind erst ab Stufe 3 vorgesehen. 

Die generelle Versorgungslage hängt stark davon ab, wie Russland seinen vertraglich vereinbarten Lieferverpflichtungen nachkommen wird und ob es entsprechende Sanktionen wie etwa ein Embargo seitens der EU geben wird, die einen Import von Gas aus Russland dann nicht mehr zulassen. Sofern Gas aus russischen Quellen weiterhin geliefert wird, ist die Versorgung gesichert. Sollte Russland seine Lieferungen vertragswidrig einstellen oder aufgrund der EU-Sanktionen oder einer nationalen Entscheidung nicht mehr exportieren oder nicht mehr exportieren dürfen, müssen diese Mengen durch zusätzliche Lieferungen etwa mit Flüssigerdgas (LNG) aus anderen Ländern kompensiert werden. Das würde die Beschaffungspreise voraussichtlich weiter in die Höhe treiben. Als äußerstes Mittel könnte es bei massiven Engpasssituationen zu Energielenkungsmaßnahmen wie etwa Rationierungen kommen.

Es geht der österreichischen und europäischen Politik nun darum, wie für die kommende Heizperiode im Winter 2022/23 Gaslieferungen für Österreich generell sichergestellt werden können. Die Österreichische Bundesregierung hat am 27. April bis zu 6,6 Mrd. Euro freigegeben, um die heimischen Gasspeicher vor dem Winter zu mindestens 80 Prozent füllen zu können. Darin sind 1,6 Milliarden Euro fix für Gaskäufe budgetiert und darüber hinaus können im Bedarfsfall maximal weitere 5 Milliarden Euro für diese Zwecke herangezogen werden. Derzeit sind 22,5 Terawattstunden (TWh) an Gas eingespeichert. Dies entspricht einem Füllstand von rund 22,5 Prozent.

Österreich könnte ab 2027 ohne russisches Gas auskommen. Dazu müssten aber der Gasverbrauch bis dahin um ein Viertel reduziert, alternative Importe vorübergehend verdreifacht und die Produktion von Biogas und grünem Wasserstoff massiv ausgebaut werden, zeigt eine Studie der Energieagentur im Auftrag des Umweltministeriums. Die Eigenproduktion von Erdgas müsste unverändert bleiben. Bis 2030 geht die Energieagentur sogar von einem Rückgang des Gasverbrauchs um ein Drittel aus. Energieexperten bezweifeln allerdings die Umsetzbarkeit zur Reduktion des Gasverbrauchs in diesem Ausmaß.

Quelle: Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency

ENERGIEALLIANZ Austria ist kein Importeur von „physischem“ Gas. Das heißt wir kaufen Gas nicht aus Russland, sondern wir beschaffen die Mengen an europäischen Börsen. Im Detail: Erdgas kaufen wir im Marktgebiet Ost – also in Ostösterreich – am virtuellen Handelspunkt des Central European Gas Hub AG (CEGH) mit Sitz in Wien, also direkt am Großhandelsmarkt ein. Das vorgegebene Marktsystem legt virtuelle Handelspunkte fest, um eine Trennung von Produkt und Transport vom Preis sicherzustellen. Das bedeutet, dass das vom Gesetzgeber vorgegebene Marktsystem keine Vorlieferanten festlegt und am Großhandelsmarkt alle Lieferanten anonym sind. Da wir uns von diesem Gasmarktsystem nicht abkoppeln können, ist systembedingt eine individuelle Gasvorsorge für Kunden nicht möglich.

Die Energiepreise an den Großhandelsmärkten sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges sind die Energiepreise generell stark gestiegen.


Global betrachtet kam es bereits vor der Ukraine-Krise zudem durch die Wirtschaftserholung nach dem Corona-bedingten Lockdown zu einem Anziehen der Gasnachfrage. In Europa und Deutschland waren nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 die Füllstände der Gasspeicher gering. Verstärkt wurde dieser Effekt durch eine niedrige Einspeicherung in einigen deutschen und österreichischen Gasspeichern, die von russischen Staatskonzernen kontrolliert werden. Dazu kam ein geringer Gasfluss von Russland nach Europa. Der Kriegsausbruch ließ die Beschaffungspreise für Gas und Kohle aufgrund von Szenarien möglicher Lieferkürzungen Russlands oder einem Embargo seitens der EU weiter stark steigen.

Der Krieg verteuert die Bezugskosten am Großhandelsmarkt. In welcher Höhe genau sich diese Einflüsse auf die Bezugskosten der Kunden auswirken werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem von unseren vertraglichen Regelungen und von dem Ausmaß der Verteuerung. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist die von Ihnen gewählte Beschaffungsform. Unabhängig von äußeren Einflüssen halten wir deshalb an unserer strukturierten, langfristig im Voraus agierenden und nachhaltigen Beschaffungsstrategie fest.

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